Who's who Titelbild
Friedrich Dürrenmatt
Der Schweizer Literat erlangte mit seinem Stück "Der Besuch der alten Dame" (1956) einen Welterfolg als Theaterschriftsteller. Für ihn war das Genre der Komödie mit ihrer notwendigen Distanz die angemessenste Form zur Darstellung der Weltgeschehens. Seine Darstellungsmittel ist das Groteske. Die Übersteigerung und Verzerrung entsprach auch seiner Sichtweise auf die Welt mit ihren unendlichen Verwirrungen. Friedrich Dürrenmatt steigerte die Darstellung bis zum Irrenhaus. Seine literarischen Bemühungen verstand er als moralischen Zweck. Dürrenmatts Kriminalromane kreisen um das Thema Recht und Gerechtigkeit...
 
vorheriger Eintrag T. Dürr P. Dürrenmatt naechster Eintrag
Biografie
Friedrich Dürrenmatt wurde am 5. Januar 1921, als Sohn eines protestantischen Pfarrers, im schweizerischen Konolfingen bei Bern geboren.

Dürrenmatt besuchte in Bern das Gymnasium. Nach der Schule studierte er in Bern und Zürich Philosophie, Literatur und Naturwissenschaften. Nach zehn Semestern brach er ab und begann zu schreiben, zu zeichnen und zu malen. In den Jahren zwischen 1946 und 1948 war er in Basel ansässig, dann zog er nach Ligerz am Bielersee. Ab 1952 lebte er in Neuchâtel. Mit dem Schreiben von Kriminalromanen und Hörspielen hielt er sich zunächst finanziell über Wasser. Von 1968 bis 1969 war er zusammen mit Werner Dügglein Leiter des Baseler Theaters. Doch schnell trennten sich auch wieder die Wege wegen Unstimmigkeiten. Sein protestantisches Elternhaus war prägend für seine spätere Schriftstellerei, in der immer wieder die religiöse Thematik in seinen Stücken anklingt.

Im Jahr 1947 heiratete er die Schauspielerin Lotti Geißler, mit der er drei Kinder bekam. Nach ihrem Tod im Jahr 1982 heiratete Dürrenmatt 1985 die Filmemacherin Charlotte Kerr. 1947 wurde sein erstes Stück, das Wiedertäuferdrama "Es steht geschrieben", uraufgeführt. "Romulus der Große" (uraufgeführt 1949) war dann seine erste Komödie. Dabei fand Dürrenmatt heraus, dass die Komödie die angemessene Form seiner Darstellungen ist. Nach seiner Auffassung entwickelt die dramatische Form der Komödie die notwendige Distanz, um das Weltgeschehen angemessen zu erfassen. Für ihn war es gekennzeichnet durch Bürokratisierung, Vermassung und Undurchsichtigkeiten, die den orientierungslosen Mensch selbst auf Irrwegen schicken – befindet Dürrematt in den "Theaterproblemen" (1954).

Seine Komödien beinhalten Satiren, Humor und Farce. Dürrenmatts Stücke präsentieren eine Welt, die ins Groteske verzerrt ist – bis hin zum Irrenhaus. Dafür sprechen Titel wie "Die Physiker" (1962) oder "Achterloo" (1983), aber auch sein Welterfolg "Der Besuch der alten Dame" sowie seine Bearbeitungen zahlreicher Shakespeare-Werke und spätere eigene Stücke. Das bekannte Werk "Die Physiker" behandelt Fragen nach dem Atomzeitalter, verbunden mit dem Thema Macht, Verbrechen und Verantwortung. Die Komödie "Der Besuch der alten Dame" handelt parabelartig von der Macht des Geldes. Einige seiner Theaterstücke wurden fest eingeplant in die Schullektüre. Im "Porträt eines Planeten" (1967) wird die Weltgeschichte zum Schlachthaus.

Für Dürrenmatt sind die Weltveränderer Narren, denn sie sind nicht nur ohne Erfolg, sondern auch der kleinste Zufall kann die menschlichen Bestimmungen zunichte machen. Mit seiner literarischen Darstellungsweise als ein Gegenbild zur Realität verfolgte er moralische Zwecke, um die Menschen in ihrem Bewusstsein der Freiheit zu sensibilisieren. Dabei standen bei Dürrenmatt auch Themen von Gerechtigkeit und Freiheit im Vordergrund, selbst in seinen Kriminalromanen, die dem Genre wichtige Impulse vermittelten. Einige davon entstanden in den 1950er Jahren, wie "Der Richter und sein Henker" (1952), "Der Verdacht" (1953) oder "Das Versprechen. Requiem auf den Kriminalroman" (1958) sowie aber auch die Prosakomödie "Grieche sucht Griechin" (1955).

Dürrenmatts Werke sind nicht Ausdruck seiner Persönlichkeit, wie bei den meisten Schriftstellern. Er ist ein Beobachter der Welt aus sicherer Distanz und hält dem Leser von dieser Welt das verzerrte Spiegelbild vor. Friedrich Dürrenmatt erhielt zahlreiche Preise und Ehrungen für sein literarisches Werk: unter anderem den Schillerpreis der Stadt Mannheim (1959), den Großen Literaturpreis des Kantons Bern (1969), die Buber-Rosenzweig-Medaille (1977), den Ehrendoktor der Temple University in Philadelphia (1969), der Universität Nizza und der Hebräischen Universität Jerusalem (1977). Neben Theaterstücken und Romanen schrieb Dürrenmatt auch Hörspiele und Erzählungen. Mit seinen Kritikern ging er nicht gerade objektiv und sanft um.

Selbst in seine Werke baute er Entgegnungen an Kritiker ein, so beispielsweise nachzulesen in der "Dichterdämmerung" (1980), in der er unter anderem Hellmuth Karasek, Joachim Kaiser oder Marcel Reich-Ranicki abfertigte. Aber auch sonst waren rüde Äußerungen über Schriftstellerkollegen öffentlich zu hören. Zu seinen weiteren Werken zählen unter anderem "Die Ehe des Herrn Mississippi" (1952), "Ein Engel kommt nach Babylon" (1954), "Herkules und der Stall des Augias" (1954), "Die Panne" (1956), "Frank der Fünfte. Oper einer Privatbank" (1960), "Play Strindberg" (1969), "Sätze aus Amerika" (1970), "Der Mitmacher" (1976), "Justiz" (1985), "Durcheinandertal" (1989), "Midas oder die Schwarze Leinwand" (1991) oder "Der Pensionierte" (1995).

Friedrich Dürrenmatt starb am 14. Dezember 1990 an den Folgen eines Herzinfarktes in Neuchâtel.
Home | Namen | Themen | Zeitstrahl | 
Copyright © 1999 - 2014 by www.whoswho.de
Webdesign - mps by Susanne Porsche
Biografie
Nachname: Dürrenmatt
Vorname: Friedrich
Geburtsdatum: 1921-01-05
Geburtsort: Bern (CH).
Todesdatum: 1990-12-14
Todesort: Neuchâtel (CH).
Sternzeichen: Steinbock 22.12 - 20.01
Weiteres zu Friedrich Dürrenmatt aus dem Feltas-Kalender