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Ulrich Zwingli
Der Schweizer Reformator und Humanist bekämpfte Missstände in der Kirche und sprach sich gegen die Fastengebote, das Priesterzölibat, die Messe, die Firmung und die letzte Ölung aus. Er baute die Volkskirche auf und legte den Schwerpunkt auf die Predigt. Ulrich Zwingli unterstrich den Gedächtnischarakter des Abendmahls und die symbolische Gegenwart Christi im Abendmahl. Mit Luther verwarf er sich in der Frage der Abendmahlslehre. Seine Theologie wurde in der zweiten Generation von Heinrich Bullinger und Johannes Calvin weitergetragen...

Bedeutende Persönlichkeiten aus Religion und Kirche
 
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Biografie
Ulrich Zwingl, mit eigentlichem Namen Huldenreich beziehungsweise Huldrych, wurde am 1. Januar 1484 in Wildhaus bei St. Gallen in der Schweiz geboren.

In den Jahren von 1489 bis 1494 hielt sich Ulrich Zwingli zur Ausbildung in Weesen am Walensee auf. Von 1494 bis 1498 war er Schüler der Lateinschule in Basel und Bern. Ab 1498 studierte er scholastische Theologie an den Universitäten Wien und Basel. Zwingli schloss seine universitäre Ausbildung 1506 mit dem Titel Magister Artium ab. Im gleichen Jahr wurde er Priester in Glaurus. In den Kämpfen von Novara und Marignano 1513/1515 beteiligte er sich als Feldprediger mit den Glarner Truppen. Seine Erfahrungen aus dieser Zeit mündeten in eine öffentliche Ablehnung des Söldnertums. 1516 wurde Zwingli Leutpriester in Einsiedeln.

Im gleichen Jahr machte er in Basel die Bekanntschaft mit dem großen Humanisten Erasmus von Rotterdam, dessen Schriften wegweisend im Denken und Handeln Zwinglis waren. 1518 gab Zwingli die Priesterstelle in Einsiedeln auf und siedelte nach Zürich über. Dort wurde er 1519 Leutpriester am Großmünster. Zwei Jahre später wurde Zwingli zum Chorherren gewählt. In dieser Zeit studierte er die Werke Martin Luthers, an denen er sich zunächst orientierte. Zu seinen Studien zählten darüber hinaus die Schriften von Augustinus und Paulus. 1522 wurde Zwinglis Schrift "Von erkiesen und freyhait der spysen" herausgegeben. Darin wandte er sich gegen das kirchliche Fastengebot.

Das Werk verursachte eine Disputation mit einer Delegation des Konstanzer Bischofs und schließlich das durch Papst Hadrian VI. verhängte Kanzelverbot. Im darauffolgenden Jahr 1523 musste sich der Autor vor den Zürichern Stadtvätern rechtfertigen. Zwingli stand ein für den Vorrang der Heiligen Schrift vor dem kirchlichen Glaubenssatz, er lehnte die heiligen Bildwerke und die Reliquien sowie deren Verehrung strikt ab. Auch wandte er sich gegen die sakrale Bedeutung des Abendmahls und gegen das Zölibat. Zwingli fand entgegen den Bestrebungen des Papstes in den Züricher Stadtvätern Fürsprecher für seine reformatorischen Ideen und Forderungen. Er baute mit deren Zustimmung die Volkskirche auf, die unter staatlichem Schutz stand. Zudem wurde die Gerichtsbarkeit des Konstanzer Bischofs im Kanton Zürich von dem Rat aufgehoben.

Daraufhin konnte Zwingli seine reformatorischen Ideen wie Abschaffung von Heiligenbildern, Prozessionen, Beichten, Firmungen, Klöster oder Krankensalbungen unter dem Schutz des Züricher Rats durchsetzen. 1524 heiratete Zwingli Anna Reinhart. 1525 wurden die Anhänger der radikalen protestantischen Bewegung der Täufer aus Zürich ausgewiesen, nachdem ein Disput vor dem Züricher Rat zwischen ihnen und Zwingli stattgefunden hatte. Auch zwischen Martin Luther und dem Schweizer Reformator gab es Unstimmigkeiten in der Frage der Abendmahlslehre. Zwingli vertrat den Gedächtnischarakter des Abendmahls und verfocht die symbolische Gegenwart Christi im Abendmahl. Im Marburger Religionsgespräch vom Oktober 1529 fand diese Auseinandersetzung ihren Gipfel und Abschluss zugleich, denn es kam zur endgültigen Trennung zwischen beiden Reformatoren.

In den Jahren 1528/29 konnte Zwingli auch die Kantone Bern, Basel, St. Gallen und Straßburg von seinen reformatorischen Ideen überzeugen. Dagegen hatte er in den übrigen Kantonen der deutschen Schweiz keinen Erfolg, sie setzten sich gegen seine Reformationsbewegung zur Wehr. Die Konfrontation zwischen katholischen und protestantischen Kantonen mündete 1529 in den 2. Kappeler Krieg. Darin begleitete Zwingli die protestantischen Truppen als Feldprediger. Im Oktober 1531 besiegten die Katholiken das protestantische Heer bei Kappel am Albis. Zwingli wurde dabei verwundet und später getötet. Aus der Zürcher Reformation und der Genfer Reformation ging die Reformierte Kirche hervor. Seine Theologie wurde in der zweiten Generation von Heinrich Bullinger und Johannes Calvin weitergetragen.

Zu Zwinglis Werken zählen unter anderem Titel wie "Die Klarheit und Gewissheit Gottes" (1522), "Auslegung und Begründung der Thesen oder Artikel" (1523), "Göttliche und menschliche Gerechtigkeit" (1523), "Wie Jugendliche aus guten Hause zu erziehen sind" (1523), "Der Hirt" (1524), "Eine freundschaftliche und ernste Ermahnung der Eidgenossen" (1524), "Wer Ursache zum Aufruhr gibt" (1524), "Empfehlungen zur Vorbereitung auf den Krieg" (1524), "Kommentar über die wahre und falsche Religion" (1525), "Antwort auf die Predigt Luthers gegen die Schwärmer" (1527), "Die beiden Berner Predigten" (1528), "Rechenschaft über den Glauben" (1530), "Die Vorsehung" (1530) oder "Erklärung des christlichen Glaubens" (1531).

Ulrich Zwingli starb am 11. Oktober 1531 bei Kappel.


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Biografie
Nachname: Zwingli
Vorname: Ulrich
Geburtsdatum: 1484-01-01
Geburtsort: Wildhaus (CH).
Todesdatum: 1531-10-11
Todesort: Kappel (CH).
Sternzeichen: Steinbock 22.12 - 20.01
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