Helmut Kohl
Name:Helmut Kohl
Geboren am:03.04.1930
SternzeichenWidder 21.03 - 20.04
Geburtsort:Ludwigshafen (D).
Verstorben am:16.06.2017
Todesort:Ludwigshafen am Rhein-Oggersheim (D).
Helmut Schmidt < > Gerhard Schröder
Die Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland
Er hat zwei ältere Geschwister. Kohl besuchte die Volks- und Oberrealschule, die er 1950 mit Abitur beendete. Noch vor seinem Schulabschluss trat er 1946 in die CDU ein. 1947 wurde er Mitbegründer der Jungen Union in Ludwigshafen. Kurz nach Verlassen der Schule begann Kohl ein Studium der Rechts-, Sozial- und Staatswissenschaften sowie gleichzeitig der Geschichte. Er studierte diese Fächer an den Universitäten Frankfurt am Main und Heidelberg. Seiner politischen Neigung ging er auch während des Studiums nach, da er als wissenschaftlicher Mitarbeiter des Politischen Seminars im Alfred-Weber-Institut an der Universität Heidelberg tätig war. Daneben wurde er 1953 Mitglied des geschäftsführenden Vorstandes der CDU in Rheinland-Pfalz und ein Jahr später stellvertretender Landesvorsitzender der von ihm mitgegründeten Jungen Union (1954-1961). 1955 wurde seine politische Laufbahn durch die Mitgliedschaft im Landesvorstand der CDU ergänzt (1955-1966).
Nachdem Kohl das Studium der Geschichte, Rechts- und Staatswissenschaft 1956 beendet hatte, begann er seine Promotion zum Dr. phil. Seine Dissertation legte er 1958 unter dem Titel "Die politische Entwicklung in der Pfalz und das Wiedererstehen der Parteien nach 1945" vor. Eine Eisengießerei in Ludwigshafen stellte 1958 den jungen Akademiker als Direktionsassistenten ein. Aber bereits ein Jahr später war diese anfängliche Tätigkeit beendet, und Kohl wurde Referent des "Industrieverbandes Chemie" in Ludwigshafen (1959-1969). Gleichzeitig entwickelte sich die politische Karriere stetig weiter. 1959 wurde Kohl Vorsitzender des CDU-Kreisverbandes in Ludwigshafen und im selben Jahr Abgeordneter im rheinland-pfälzischen Landtag. Diesem gehörte er von 1959 bis 1976 an. Bereits zwei Jahre später fungierte Kohl als Vorsitzender des Landtages und wurde 1963 Fraktionsvorsitzender der CDU (1963-1969). Kohl heiratete 1960 die Dolmetscherin Hannelore Renner (1933-2001). Aus dieser Ehe gingen zwei Söhne, Walter und Peter, hervor. 1966 wurde Kohl Landesvorsitzender der CDU von Rheinland Pfalz (1966-1973) und Mitglied des Bundesvorstandes der CDU. Drei Jahre später, im Mai 1969, stieg er zum Ministerpräsidenten von Rheinland Pfalz (1969-1976) auf.
Im November desselben Jahres ernannte man ihn zum stellvertretenden Vorsitzenden der CDU im Bund. In seinem Amt als Ministerpräsident regierte Kohl vorübergehend für drei Jahre mit einer christlich-liberalen Koalition. Diese konnte jedoch im Mai 1971 durch eine reine CDU-Führung abgelöst werden. In dieser Periode war vor allem die gemeinschaftliche Arbeit mit Heiner Geißler, die auf gegenseitiges Vertrauen und Unterstützung aufgebaut war, sehr erfolgreich. Den beiden gelang es, das Sozial- und Gesundheitswesen durch verschiedene Reformen zu verbessern. War Kohl zunächst 1971 bei der Kandidatur um den Parteivorsitz gegen einen stärkeren Rainer Barzel gescheitert, so konnte er zwei Jahre später Barzel als Parteivorsitzender der CDU in seinem Amt ablösen (1973-1998). 1976 wurde Kohl Mitglied des Bundestages und übernahm schließlich, nach Abgabe seiner Position als Ministerpräsident des Landes Rheinland-Pfalz, den Vorsitz der CDU/CSU-Fraktion, womit er zur Führungsperson der Opposition avancierte. Nachdem die CDU/CSU bei den Wahlen von 1976 unterlegen war, und weiterhin als Opposition aufzutreten musste, wurde die Trennung der CDU von der Schwesterpartei CSU beschlossen.
Trotz vehement gegenteiliger Argumentation auf Seiten Franz Josef Strauß'', gelang es Kohl, auch für die Zukunft den Bestand einer gemeinsamen Fraktion im Bundestag durchzusetzen, die er selbst leitete. Da im Gegenzug der CSU ein stärkeres Gewicht in den Fraktionsgremien eingeräumt wurde, scheiterte Kohl noch 1980 an der Frage der Kanzlerkandidatur. Diese Frage wurde zugunsten von Franz Josef Strauß entschieden. Kohl fungierte dennoch weiterhin als Oppositionsführer, da die anschließenden Wahlen der CDU/CSU riesige Verluste beschert hatten. In der Folge näherte sich Kohl der FDP an, mit deren Vertretern er persönliche Beziehungen aufbaute. Ein Jahr später veröffentlichte Kohl die Schrift "Die CDU - Portrait einer Volkspartei". Nachdem die amtierende Regierung unter Helmut Schmidt durch ihre Wirtschafts- und Finanzpolitik zerbrochen war, nahmen CDU/CSU und FDP 1982 Koalitionsgespräche auf und fanden einen Konsens: Bundeskanzler Helmut Schmidt wurde am 1. Oktober 1982 durch ein Misstrauensvotum abgewählt.
Die Union nominierte im Zuge dessen Helmut Kohl als ihren Kanzlerkandidaten. So wurde Kohl mit 52 Jahren am 1. Oktober 1982 aufgrund eines konstruktiven Misstrauensvotums mit den Stimmen der CDU/CSU und FDP zum 6. und jüngsten Bundeskanzler der BRD gewählt. Schon bei seiner ersten Regierungsrede betonte Kohl die Notwendigkeit der Beziehungspflege zur DDR. Doch bereits bei seinem Amtsantritt trat der neue Bundeskanzler für das Selbstbestimmungsrecht des ganzen deutschen Volkes ein. Am 17. Dezember 1982 wurden Neuwahlen anberaumt, da Kohl bei der gestellten Vertrauensfrage im Bundestag nicht die Mehrheit erreichen konnte. Aus den Neuwahlen vom 6. März 1983 ging die Koalition aus CDU/CSU und FDP als Sieger hervor. Am 29. März wurde Kohl in seinem neuen Mandat als Bundeskanzler bestätigt. Am 4.-7. Juli 1983 statteten Hans Dietrich Genscher und Kohl erstmalig in seinem Amt als Bundeskanzler der Sowjetunion einen Besuch ab. Ziel der Reise war es, die gegenseitigen Beziehungen zu verbessern und auf einen vertrauenswürdigen Boden zu stellen. Ein Jahr später, am 13. Februar 1984, kam es zu einem erstmaligen Treffen zwischen Kohl und dem Staats- und Parteichef der DDR, Erich Honecker, in Moskau. In Verdun trafen sich Kohl und der französische Staatspräsident François Mitterand am 22. September 1984.
Die beiden Politiker gedachten dabei der Toten, die beide Seiten aufgrund beider Weltkriege zu beklagen hatten. Internationales Aufsehen erregte dabei der Umstand, dass Mitterrand und Kohl sich während des Abspielens der Nationalhymnen an der Hand nahmen. 1986 kam es zu einer Differenz in dem Verhältnis der Bundesrepublik zur Sowjetunion. Kohl verglich in einem Interview für die Zeitschrift "Newsweek" Michail Gorbatschow und den NS Propagandaminister Josef Goebbels miteinander. Diese Aussage trug zur Verstimmung der beiderseitigen Beziehungen bei, zumal Kohl sich nicht für diese Äußerung entschuldigen wollte. Am 25. Januar 1987 konnte die CDU/CSU erneut die Bundestagswahlen gewinnen. Kohl wurde als Bundeskanzler bestätigt. Kurze Zeit später, am 7.-11. September, trafen Kohl und Honecker in der BRD zusammen. Zum ersten Mal in der Geschichte der geteilten Staaten besuchte Honecker den deutschen Klassenfeind im Westen. Es wurde eine stärkere Zusammenarbeit in Wissenschaft und Technik sowie Vereinbarungen zu Strahlen- und Umweltschutz getroffen. 1988 wurden Kohl und Mitterrand in Aachen mit dem internationalen "Karlspreis" aufgrund ihrer großen Verdienste um die europäische Einigung und Verständigung ausgezeichnet.
Die innerdeutschen Grenzen zur DDR öffneten sich am 10. November 1989. Kohl brach seine Reise in Polen ab, um eine Rede in West-Berlin vor dem Schöneberger Rathaus zu halten. Einen Tag später telefonierten der Generalsekretär der DDR und Kohl. Dabei vereinbarten sie eine Intensivierung der Zusammenarbeit und ein baldiges Treffen. Am 5. Februar 1990 einigten sich die DDR-CDU, die Deutsche Soziale Union und der Demokratische Aufbruch auf ein neues Wahlbündnis, das von Kohl unterstützt wurde und sich "Allianz für Deutschland" nannte. Bereits zwei Tage danach schlug Kohl im Rahmen eines Kabinettausschusses vor, Verhandlungen zu einer Währungsunion mit zusammenhängender Wirtschaftsreform anzustreben. Das Motiv für diesen Vorschlag lag in dem nicht enden wollenden Fluss an Übersiedlern. Am 10. Februar 1990 billigte Gorbatschow bei einem Treffen mit Kohl die deutsche Wiedervereinigung. So konnten der Generalsekretär der DDR, Hans Modrow, und Kohl bereits am 13./14. Februar eine Kommission zur Planung der von Kohl vorgeschlagenen Währungsunion und Wirtschaftsreform beschließen.
Am 14./16. Februar trafen sich der sowjetische Staatspräsident und Kohl erneut. Gorbatschow gestand dabei dem vereinten Deutschland die volle Souveränität sowie die Möglichkeit der freien Wahl bezüglich der Bündniszugehörigkeit zu. Einige Zeit später schlossen sich die beiden christdemokratischen Parteien Deutschlands unter dem Vorsitz Kohls zusammen. Deren Stellvertreter wurde Lothar de Maizière. Am 1. Juli 1990 wurde die deutsch-deutsche Wirtschafts-, Währungs- und Sozialunion gebildet. Abschließend unterzeichneten Michail Gorbatschow und Helmut Kohl am 9. November 1990 einen Vertrag, der die gute Nachbarschaft, Partnerschaft und Zusammenarbeit beider Länder zum Gegenstand hatte. Am 3. Oktober 1990 erfolgte die staatliche Wiedervereinigung beider deutscher Republiken. Bei den Wahlen vom 2. Dezember 1990 war es für die christlich-liberale Regierung ein Leichtes, erneut und nun mit Unterstützung der neu hinzugetretenen ostdeutschen Wähler bestätigt zu werden. Daraus folgte, dass Kohl am 17. Januar 1991 zum ersten Bundeskanzler des vereinten Deutschland ernannt wurde. Ein Jahr später, am 25. August 1992, kam es zur Unterzeichnung des "Hauptstadt-Vertrages" in Berlin: Diesen unterzeichneten der Regierende Bürgermeister Berlins, Eberhard Diepgen, der brandenburgische Ministerpräsident, Manfred Stolpe und Bundeskanzler Kohl. Am 14. Januar 1994 wurde überparteilich beschlossen, dass die Regierung, aufgrund der veränderten Situation im wiedervereinten Deutschland, nun wieder wie vor der Teilung, ihren Sitz in Berlin haben sollte.
Im September 1994 wurden die westalliierten Truppen, die seit 1945 in Deutschland stationiert waren, abgezogen. Zu diesen Feierlichkeiten lud Kohl sowohl den britischen Premierminister John Major, den französischen Präsidenten Francois Mitterrand wie auch den amerikanischen Außenminister Warren Christopher ein. Einen Monat später, am 15. November 1994, wurde Kohl zum fünften Mal Bundeskanzler. Somit konnte er bereits am 31. Oktober 1996 sein Amtsjubiläum feiern: Mit 5145 verbrachten Amtstagen stellte er einen Rekord auf. Am 21. Januar 1997 schloss Kohl mit dem tschechischen Regierungschef Vàclav Havel einen Vertrag, der die Aussöhnung zwischen Deutschland und Tschechien besiegelte. Der Bundestag beschloss mit großer Mehrheit am 23. April 1998 den deutschen Beitritt zur Europäischen Währungsunion. Der dafür geplante Währungskurs, der Euro, sollte am 1. Januar 1999 eingeführt werden. Bei den Bundestagswahlen am 27. September 1998 wurde die CDU-Regierung abgelöst. Die SPD gewann zusammen mit dem Bündnis 90/Die Grünen die Mehrheit. Am 26. Oktober 1998 endete die Amtszeit Helmut Kohls. Sein Nachfolger wurde der SPD-Politiker Gerhard Schröder.
Der polnische Staatspräsident überreichte Kohl am 20. Oktober 1998 eine Auszeichnung für seine Verdienste um die gemeinsame Zusammenarbeit, Bundespräsident Roman Herzog verlieh Kohl das Großkreuz des Verdienstordens der Bundesrepublik mit Lorbeerkranz. Dies hatte zuvor nur Konrad Adenauer erhalten. Die Staats- und Regierungschefs der EU übergaben Kohl die Ernennung zum Ehrenbürger Europas. Diese Auszeichnung hatte davor nur der französische Politiker Jean Monnet erfahren dürfen. Am 5. November 1999 stellte sich der ehemalige Schatzmeister der CDU, Walther Leisler Kiep, der Justiz. Er gestand, dass er am 26. August 1991 von Karlheinz Schreiber in der Schweiz einen Koffer mit einer Millionen DM in bar überreicht bekommen hatte. Dieser Inhalt floss dann als Parteispende an die CDU. Kohl beeilte sich einen Tag später zu bekräftigen, dass er von all dem nichts gewusst hatte. Jedoch räumte er einige Zeit später ein, dass unter seiner Amtszeit zwei verschiedene Konten existiert hatten. Es gab seiner Aussage nach ein Konto, das getrennt von den öffentlichen Parteifinanzen geführt worden sei. Kohl entschuldigte diese fehlende Transparenz, die mangelnde Kontrolle und räumte ein, dass ein Verstoß gegen das Parteiengesetz nun nicht mehr ganz ausgeschlossen werden könne. Dieser erste Geständnisversuch wurde im Dezember 1999 sehr deutlich: Kohl gab zu, in der Zeit von 1993 bis 1998 eine Summe von 1,5-2 Millionen DM als Spende illegal erhalten zu haben.
Aufgrund des gegebenen "Ehrenwortes" weigerte er sich jedoch, die Spender zu verraten. Am 3. Januar 2000 wurde ein Ermittlungsverfahren gegen den Altbundeskanzler eingeleitet. Kohl geriet zunehmend unter Druck. Auf einer eigens am 18. Januar einberufenen Krisensitzung der CDU legte Kohl sein Ehrenamt nieder. In seiner Begründung wiederholte er, dass er die Spender nicht preisgeben wolle. Am 10. Jahrestag der Deutschen Einheit, die vor allem dem Altbundeskanzler zu verdanken ist, nahm dieser nicht teil. Kohl sagte die Teilnahme ab, da er nicht als Redner vorgesehen war. Kohls Verstrickung in die Spendenaffäre beschäftigte noch weiterhin die Behörden. Aufgrund seiner geringen Bereitschaft, sich an der Aufklärung dieser Spendenaffäre zu beteiligen, gerieten seine historisch bedeutungsvollen Taten in den Hintergrund. Die Führungsriege der CDU um Kohl hatte sich in ein Netz aus Unwahrheiten, Widersprüchen und illegalen Machenschaften verstrickt, das einen Generationswechsel an der Spitze der Partei erzwang, um deren Überleben zu sichern. 2001, kurz nach dem gemeinsamen 41. Hochzeitstag, nahm sich Hannelore Kohl in ihrem Haus in Oggersheim durch die Einnahme einer Überdosis an Tabletten das Leben. Hannelore Kohl litt an einer schweren Lichtallergie.
Für öffentliche Empörung sorgte, neben seinem Verhalten als "Ehrenmann" in der Parteispendenaffäre, auch der juristische Kleinkrieg, den er gegen die Stasi-Unterlagen-Behörde um die öffentliche Zugänglichkeit seiner Stasi-Akte führte. Das Berliner Verwaltungsgericht hob Mitte September 2003 das Veröffentlichungsverbot für die Dokumente auf, so dass nun auch die Stasi-Informationen über Kohl, wie über jeden anderen Politiker in Ost und West, Gegenstand öffentlicher Auseinandersetzung werden können. Ebenso wurde bekannt, dass die Berliner Staatsanwaltschaft ein Ermittlungsverfahren gegen Altkanzler Kohl und den Medienunternehmer Leo Kirch wegen des Verdachts der uneidlichen Falschaussage eingeleitet habe. Der Vorwurf bezog sich auf einen Beratervertrag, den Kirch 1999 gegen eine hohe Vergütung zugunsten Kohls eingegangen sein soll und den beide gegenüber dem früheren Bundestags-Untersuchungsausschuss verschwiegen haben sollen. Kohl wurde im September 2004 in Trient (Südtirol) für seine Bemühungen um die europäische Einigung mit dem Alcide-De-Gasperi-Preis geehrt. Am 4. März 2004 stellte Helmut Kohl den ersten Teil seiner Memoiren unter dem Titel "Erinnerungen, 1930-1982" vor. Der zweite Teil über die Regierungsjahre bis 1990 erschien am 3. November 2005, der dritte Teil über die Jahre bis 1994 am 16. November 2007.
Anfang Mai 2005 wurde eine Fotoausstellung über den Altkanzler von Helmut R. Schulze in der Mannheimer Kunsthalle eröffnet. Nach der Ehrenbürgerwürde der Städte London, Berlin und Frankfurt/Main, wurde Kohl Anfang September 2005 zum Ehrenbürger seiner Heimatstadt Ludwigshafen ernannt. Wenig später, im Oktober 2005, wurde er für seine Verdienste um Frieden und Verständigung mit der "Quadriga" ausgezeichnet. Am 8. Mai 2008 heiratete Kohl seine Lebensgefährtin Maike Richter, mit der er seit 2005 in einer festen Beziehung lebt. Trauzeugen waren der Medienunternehmer Leo Kirch und BILD-Chefredakteur Kai Diekmann. Im November 2009 wurde Helmut Kohl für sein Lebenswerk mit dem "Bambi" ausgezeichnet. Darauf zog er sich weitest aus der Öffentlichkeit zurück.
Helmut Kohl starb am 16. Juni 2017 in Oggersheim, Ludwigshafen am Rhein.
Pragmatischer Visionär und Architekt der Einheit
Helmut Kohl war ein Politiker, der pragmatisches Handeln mit visionärem Denken vereinte. Er wird oft als Architekt der deutschen Wiedervereinigung bezeichnet, da er in einer Zeit der politischen Umbrüche die historische Chance erkannte und entschlossen handelte, um die Einheit Deutschlands zu verwirklichen. Kohl war sich der historischen Bedeutung seines Handelns bewusst und verstand es, sowohl auf nationaler als auch internationaler Ebene die notwendigen Allianzen zu schmieden. Seine Fähigkeit, langfristige Visionen zu entwickeln und gleichzeitig pragmatische Lösungen für aktuelle Probleme zu finden, zeichnete ihn als einen der bedeutendsten Staatsmänner der Nachkriegszeit aus.
Loyalität und politische Durchsetzungskraft
Ein zentraler Aspekt von Kohls Persönlichkeit war seine tiefe Loyalität gegenüber seiner Partei, der CDU, und seinen politischen Weggefährten. Diese Loyalität ging einher mit einer enormen Durchsetzungskraft, die es ihm ermöglichte, interne Machtkämpfe zu überstehen und sich als langfristiger Parteivorsitzender zu etablieren. Kohl hatte die Fähigkeit, politische Gegner zu marginalisieren und sich auch in schwierigen Zeiten an der Spitze zu halten. Diese Durchsetzungskraft war nicht nur in parteiinternen Auseinandersetzungen von Bedeutung, sondern auch in der Umsetzung seiner politischen Ziele auf nationaler und internationaler Ebene.
Europäischer Staatsmann und Verfechter der Einigung Europas
Kohl war nicht nur ein deutscher Politiker, sondern auch ein überzeugter Europäer. Er sah die europäische Einigung als wesentliches Element für den Frieden und die Stabilität auf dem Kontinent. Unter seiner Führung wurde der Weg zur Einführung des Euro geebnet, und Kohl setzte sich unermüdlich für die Vertiefung der europäischen Integration ein. Seine enge Partnerschaft mit französischen Präsidenten, insbesondere mit François Mitterrand, war ein Symbol für die deutsch-französische Freundschaft und die gemeinsame Verantwortung für das europäische Projekt. Kohls Engagement für Europa war tief in seiner Überzeugung verwurzelt, dass nur ein vereintes Europa die Lehren aus den Katastrophen des 20. Jahrhunderts ziehen und eine friedliche Zukunft sichern könne.
Konservativer Reformer mit Bodenständigkeit
Kohl verstand sich selbst als konservativer Reformer, der traditionelle Werte mit dem Bedürfnis nach Modernisierung in Einklang bringen wollte. Seine Politik war geprägt von einem tiefen Bewusstsein für die kulturellen und historischen Wurzeln Deutschlands, gleichzeitig aber auch von der Einsicht, dass wirtschaftliche und gesellschaftliche Reformen notwendig waren, um das Land zukunftsfähig zu machen. Kohl blieb dabei stets bodenständig, verbunden mit seiner Heimatregion Rheinland-Pfalz, was ihm den Ruf eines „Kanzlers der Provinz“ einbrachte. Diese Bodenständigkeit war Teil seines politischen Erfolgsrezepts, das ihm half, eine breite Wählerschaft anzusprechen.
Machtbewusstsein und Krisenfestigkeit
Kohl war ein Politiker mit einem ausgeprägten Machtbewusstsein, das ihn in die Lage versetzte, auch in schwierigen politischen Zeiten an der Spitze zu bleiben. Seine Kanzlerschaft war von mehreren Krisen begleitet, darunter die Herausforderung der deutschen Einheit und die finanziellen Belastungen, die damit einhergingen. Kohl zeigte in diesen Zeiten eine bemerkenswerte Krisenfestigkeit und die Fähigkeit, auch unter Druck klare Entscheidungen zu treffen. Sein Durchhaltevermögen und sein Wille, seine politischen Ziele zu erreichen, machten ihn zu einer der zentralen Figuren in der deutschen Politik des 20. Jahrhunderts.
Persönliche Opferbereitschaft und privates Leben
Die politische Karriere von Helmut Kohl war mit persönlichen Opfern verbunden, die vor allem in den späteren Jahren seines Lebens sichtbar wurden. Die Belastungen seines Amtes und die Herausforderungen der Einheitspolitik hatten Auswirkungen auf sein privates Leben, insbesondere auf seine Ehe mit Hannelore Kohl. Die Spannungen zwischen seiner öffentlichen Rolle und seinem Privatleben wurden im Laufe der Jahre immer deutlicher, was in der öffentlichen Wahrnehmung jedoch oft hinter seiner politischen Karriere zurücktrat. Kohl selbst sah sich als Diener seines Landes, der persönliche Entbehrungen in Kauf nahm, um seine politischen Ziele zu erreichen.
Kontroversen und Vermächtnis
Trotz seiner unbestrittenen Verdienste um die deutsche Einheit und die europäische Integration war Kohls politische Karriere nicht frei von Kontroversen. Die Spendenaffäre der CDU in den späten 1990er Jahren warf einen Schatten auf sein Vermächtnis und führte zu einer schweren Krise innerhalb seiner Partei. Kohl weigerte sich, die Namen der Spender preiszugeben, was ihm zwar Respekt für seine Loyalität, aber auch heftige Kritik einbrachte. Diese Affäre trübte das Ende seiner politischen Laufbahn, doch sie konnte nicht die Bedeutung seiner vorherigen Leistungen mindern. Kohls Vermächtnis bleibt in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland und Europas als das eines Politikers, der maßgeblich zur Gestaltung der Nachkriegsordnung beigetragen hat.
Schlusswort
Helmut Kohl war eine der prägendsten Figuren der deutschen Nachkriegsgeschichte. Als pragmatischer Visionär, loyaler Parteisoldat und überzeugter Europäer hat er Deutschland und Europa nachhaltig geprägt. Seine Rolle in der deutschen Wiedervereinigung und sein Engagement für ein vereintes Europa werden in den Geschichtsbüchern unvergessen bleiben. Trotz der Herausforderungen und Kontroversen, die seine Karriere begleiteten, bleibt Kohls Vermächtnis das eines Staatsmannes, der die Weichen für die Zukunft stellte und seine Zeit durch seinen unermüdlichen Einsatz für sein Land und für Europa entscheidend prägte.
Die Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland
Name:Helmut Kohl
Geboren am:03.04.1930
SternzeichenWidder 21.03 - 20.04
Geburtsort:Ludwigshafen (D).
Verstorben am:16.06.2017
Todesort:Ludwigshafen am Rhein-Oggersheim (D).
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