Die Wannseekonferenz
Unter dem Vorsitz von Reinhard Heydrich fand am 20. Januar 1942 eine Zusammenkunft hoher Beamter der Reichs-, NSDAP- und SS-Behörden in Berlin-Zehlendorf statt. Die Adresse des Tagungsortes, eine Gästevilla des Sicherheitsdienstes der SS am Wannsee in Berlin-Zehlendorf, gab der Konferenz ihren Namen. Heydrich verfolgte mit der Konferenz das Ziel, seine Planungen zur “Endlösung der Judenfrage”, mit denen er 1941 durch Herrmann Göring beauftragt worden war, vorzustellen. Dabei ging es ihm auch darum, seine und Heinrich Himmlers ausschließliche Weisungskompetenz in dieser Angelegenheit gegenüber anderen Staatsbehörden und NS-Autoritäten durchzusetzen. Überdies erhoffte sich Heydrich durch die Darlegung seiner Pläne eine anschließende reibungslosere Zusammenarbeit der in ihre Ausführung eingebundenen Behörden.
Administrative Ausführung des Genozid
Die von Heydrich und Himmler konzipierte “Endlösung” sah die Vernichtung der jüdischen Bevölkerung durch die Deportation in die Konzentrationslager und ihre dortige Ermordung vor. Die Wannsee-Konferenz beschloss außerdem eine Erweiterung der durch die Nürnberger Rassegesetze von 1938 erfassten jüdischen Personen um sogenannte “Halb-”, “Vierteljuden” und jüdische Partner in “Mischehen”. Die Zahl der Verfolgten erhöhte sich dadurch erheblich. Zwar wurde auf der Konferenz nicht der eigentliche Beschluss zum Holocaust getroffen, denn dieser war bereits lange zuvor von Adolf Hitler gefällt worden und seine Umsetzung war seit Beginn des Krieges gegen die Sowjetunion (22.6.1941) in den osteuropäischen Vernichtungslagern in vollem Gange. Die Tagung trug jedoch in entscheidendem Maße zur administrativen Ausführung des zuvor entschiedenen Genozids am europäischen Judentum bei.
Systematisch betriebene Massenmord
Indem die Wannsee-Konferenz die Weichen für eine reibungslose Zusammenarbeit der daran beteiligten Behörden stellte, trug sie wesentlich zu einem “störungsfreien” Verlauf des industriell und systematisch betriebenen Massenmords in den folgenden Jahren bei. Die Besprechungen der geheimen Konferenz konnten auf der Grundlage eines durch Adolf Eichmann verfassten Protokolls, das in den Akten des Auswärtigen Amtes überliefert wurde, rekonstruiert werden. Neben diesem historischen Schlüsseldokument des Holocaust informiert heute auch die am ehemaligen Tagungsort eingerichtete Gedenkstätte “Haus der Wannseekonferenz” (Am Großen Wannsee 56-58, Berlin-Zehlendorf) an das Ereignis und seine historische Einordnung.
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